PK-Def, PRA-b und HCM bei Bengalen – einfach erklärt
Welche Erbkrankheiten gibt es bei Bengalkatzen, wie werden sie vererbt – und woran erkennen Sie einen Züchter, der Gesundheit ernst nimmt? Hier finden Sie die Antworten, verständlich und ohne Fachchinesisch.
Ja – Bengalen gelten als robuste, sportliche Katzen und werden häufig 12 bis 16 Jahre alt. Wie bei jeder Rasse gibt es aber einige erbliche Erkrankungen, die in Bengal-Linien vorkommen können. Die gute Nachricht: Für die wichtigsten davon gibt es heute Tests. Verantwortungsvolle Züchter nutzen sie, um gesunde Kitten zu züchten – und Käufer können gezielt danach fragen.
Jede Katze hat jedes Gen zweimal – eine Kopie von der Mutter, eine vom Vater. Die Erbkrankheiten PK-Def und PRA-b werden rezessiv vererbt. Das heißt: Eine Katze erkrankt nur, wenn beide Kopien verändert sind.
Daraus ergeben sich drei Möglichkeiten:
Was heißt das für die Kitten?
Bei der Pyruvatkinase-Defizienz fehlt den roten Blutkörperchen ein wichtiges Enzym für ihre Energieversorgung. Sie gehen dadurch schneller zugrunde – es kommt zu einer Blutarmut (Anämie), die oft schubweise auftritt. Mögliche Anzeichen sind Müdigkeit, Schwäche, Gewichtsverlust, Gelbfärbung der Schleimhäute oder ein aufgeblähter Bauch. Wann und wie stark die Krankheit sich zeigt, ist sehr unterschiedlich – manche Katzen haben kaum Beschwerden.
Test: Gentest über einen einfachen Wangenabstrich. Er zeigt zuverlässig, ob eine Katze frei, Träger oder betroffen ist.
Bei der progressiven Retinaatrophie der Bengalen sterben nach und nach die lichtempfindlichen Sehzellen der Netzhaut ab. Das beginnt schon in den ersten Lebenswochen; bis zum Alter von etwa zwei Jahren ist das Sehvermögen meist stark eingeschränkt. Die Krankheit ist nicht schmerzhaft, aber nicht heilbar. Die verantwortliche Genvariante ist typisch für die Bengal-Rasse.
Test: Gentest über Wangenabstrich. Träger lassen sich nur so erkennen – äußerlich sieht man ihnen nichts an.
Die hypertrophe Kardiomyopathie ist die häufigste Herzerkrankung bei Katzen überhaupt – auch bei Hauskatzen ohne Stammbaum. Sie kommt auch in Bengal-Linien vor. Dabei verdickt sich der Herzmuskel, das Herz arbeitet schlechter. Viele Katzen zeigen lange keine Anzeichen; im fortgeschrittenen Stadium drohen Herzschwäche, Blutgerinnsel oder plötzliche Todesfälle.
Wichtig: Für Bengalen gibt es bisher keinen Gentest auf HCM. Die Gentests, die es für Maine Coon oder Ragdoll gibt, sagen bei Bengalen nichts aus. Die einzige verlässliche Untersuchung ist der Herzultraschall durch einen erfahrenen Tierarzt oder Kardiologen. Weil HCM sich auch erst im Laufe des Lebens entwickeln kann, sollten Zuchttiere regelmäßig – meist jährlich – untersucht werden. Ein unauffälliger Befund ist immer eine Momentaufnahme.
Alle unsere Elterntiere werden per Gentest auf PRA-b, PK-Def und PKD getestet und auf FeLV/FIV untersucht. Auf HCM lassen wir sie regelmäßig per Herzultraschall kontrollieren. Die Befunde finden Sie direkt bei jeder Katze auf unseren Seiten Kings und Queens unter „Gentest ansehen“.
Nein. Ein Träger hat eine gesunde und eine veränderte Genkopie und ist selbst völlig gesund. Er sollte nur nicht mit einem anderen Träger verpaart werden.
Ja, wenn der Partner frei ist. Dann erkrankt kein Kitten. So bleiben wertvolle Linien und die genetische Vielfalt erhalten – entscheidend ist, dass gezielt getestet und geplant wird.
Sind beide Eltern für PK-Def und PRA-b frei, kann das Kitten diese Krankheiten nicht haben. Für HCM gilt: regelmäßige Vorsorge beim Tierarzt – und ein Herzultraschall, wenn er ein Herzgeräusch oder andere Auffälligkeiten feststellt.
Oft lange gar nicht. Warnzeichen sind eine schnelle Atmung in Ruhe (mehr als etwa 30 Atemzüge pro Minute im Schlaf), Atmen mit offenem Maul oder eine plötzliche Lähmung der Hinterbeine. Letzteres ist ein Notfall – fahren Sie sofort zum Tierarzt.
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Gesundheit beginnt bei der Auswahl der Elterntiere. Gern zeigen wir Ihnen alle Befunde und beantworten Ihre Fragen – vor und nach dem Einzug.
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Autorin: Anke, BengalCatJewels – Health & Welfare Specialist, Dipl.-Pflegepädagogin, Oberstudienrätin sowie Anästhesie- und Intensivkrankenschwester
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